anomalia Lunae mediafür Sopran, Bariton und 15 Insturmentalisten Einen entscheidenden Impuls für meine Komposition erhielt ich durch den Satz aus der Mondtheorie von Leonhard Euler, in dem er die Unmöglichkeit einer vollkommenen Erkenntnis konstatiert die komplexe Realität kann nur in Annäherungswerten erfasst werden. Aus dieser Sicht erscheint auch die Grenze zwischen wissenschaftlicher und künstlerischer Erkenntnis fliessend, denn Eulers Äusserung kann sowohl auf die Forschungsmethoden der Wissenschaft als auch auf die verschiedenen künstlerischen Sprachen angewandt werden. Ein anderer für meine Komposition wichtiger Gedanke betrifft die Vielfalt der Wege, die zur Erkenntnis führen; das Leben und Schaffen Eulers war ein gutes Beispiel dafür. Deshalb die Wahl von Autoren aus verschiedenen Epochen: Leonardo da Vinci, Leonhard Euler, Jorge Luis Borges, Boethius. Trotz der wechselnden Perspektive finden wir in ihren Texten ähnliche Grundgedanken. Der Raum, der sich dabei öffnet, wird immer weiter, neue Wege entstehen. Eine Raumkomponente zeigt sich in meiner Komposition äusserlich durch die Aufteilung des Ensembles in drei Gruppen, von denen jede einen eigenen Klangkörper bildet. Die Instrumentalgruppen verbleiben entweder im Dialog mit den Singstimmen oder übernehmen die Funktion des Kommentators. So löst sich das Wort im Klang. Die Gesangstimme kann metaphorisch als Stimme eines Suchenden verstanden werden. |